← Alle Insights

Conrad übernimmt Hivebuy: Einkaufssoftware wird Teil der Plattform

Ein Traditionshändler kauft ein junges Softwareunternehmen. Und verschenkt die Software dann an seine Kunden. Der Deal zwischen Conrad Electronic und Hivebuy zeigt gut, wie Corporates heute mit Startups wachsen. Ein Überblick und was das für Ihr Unternehmen bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Conrad Electronic übernimmt das Berliner E-Procurement-Startup Hivebuy. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.
  • Hivebuy wurde 2021 von Bettina Fischer und Stefan Kiehne gegründet und digitalisiert den indirekten Einkauf von der Anforderung bis zur Rechnung.
  • Mit Hivebuy Start bekommen Conrad-Kunden ab dem vierten Quartal 2026 eine kostenfreie Einkaufslösung, ohne eigenes Warenwirtschaftssystem.
  • Hivebuy bleibt eigenständig. Conrad bringt Reichweite, Hivebuy den Prozess.
  • Das Muster: Wer Kunden halten will, kauft nicht nur Sortiment zu, sondern den Arbeitsablauf drumherum.

Der Deal im Überblick

Conrad Electronic hat Anfang November die Übernahme der Hivebuy GmbH bekannt gegeben. Zum Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Rechtlich beraten wurde Conrad von der Kanzlei GÖRG.

Hivebuy bleibt innerhalb der Conrad Gruppe ein eigenständiges Unternehmen. Neu ist Hivebuy Start, eine kostenfreie Version für alle Conrad-Geschäftskunden. Sie ist direkt an das Conrad-Sortiment mit über zehn Millionen Produktangeboten angebunden. Bestellungen laufen durch festgelegte Freigaben, der Lieferstatus ist sichtbar und Rechnungen werden elektronisch verwaltet. In der Buchhaltung braucht es für alle Conrad-Bestellungen nur noch einen Lieferanten.

Vorgestellt wird die Lösung an der electronica 2026 in München vom 10. bis 13. November.

Wer ist Hivebuy?

Hivebuy wurde 2021 in Berlin von Bettina Fischer und Stefan Kiehne gegründet. Die Software deckt den gesamten indirekten Einkauf ab: Bedarf erfassen, freigeben, bestellen, Rechnung prüfen. Also all die Dinge, die in Unternehmen sonst über E-Mails, Excel-Listen und Kreditkarten laufen.

Zu den Kunden zählen mittelständische Unternehmen und Konzerne, darunter Securitas und igus. Der Bedarf ist real. Laut BME-Benchmark 2025 kostet der Prozess hinter einer einzelnen Bestellung im Schnitt 121,75 Euro. Bei vielen kleinen Bestellungen ist der Prozess also oft teurer als die Ware selbst.

Warum Conrad kauft

Conrad baut sich seit einigen Jahren vom Elektronikhändler zur B2B-Beschaffungsplattform um. Die Filialen für Privatkunden wurden geschlossen, dafür kamen Zukäufe wie der Digitalisierungsberater Bewegewas und der Distributor Electronic Direct.

Hivebuy passt genau in diese Linie. CEO Ralf Bühler sagt sinngemäss, Conrad wolle die Plattform für alles Technische sein, und dazu gehöre mehr als das passende Produkt. Hivebuy-CEO Bettina Fischer sieht in Conrad einen Partner, der Beschaffung als Prozess versteht. Als Teil der Gruppe erreiche Hivebuy Unternehmen, die es allein nicht so schnell erreicht hätte.

Die Logik dahinter ist einfach. Wer im Einkaufsprozess des Kunden sitzt, bestellt mit grösserer Wahrscheinlichkeit wieder beim selben Anbieter. Die Software ist für den Kunden gratis, für Conrad ist sie ein Kundenbindungsinstrument.

Aus der Scouting-Praxis: Prozess schlägt Produkt

In vielen Suchaufträgen sehen wir dasselbe Bild. Unternehmen suchen zuerst nach einem besseren Produkt. Die spannenderen Kandidaten lösen aber oft ein Problem rund um das Produkt: Bestellung, Freigabe, Abrechnung, Wartung. Genau dort entsteht Bindung.

Hivebuy ist dafür ein schönes Beispiel. Das Startup hat keinen neuen Artikel erfunden, sondern den Weg zum Artikel vereinfacht. Für einen Händler wie Conrad ist das wertvoller als jede zusätzliche Produktlinie. Und es zeigt, wie gut ein Startup und ein etablierter Player sich ergänzen können: Das Startup bringt Tempo und Software, der Corporate bringt Vertrieb und Vertrauen.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Drei Fragen lohnen sich. Erstens: Welche Arbeitsschritte erledigen Ihre Kunden rund um Ihr Produkt noch manuell? Zweitens: Welche Software würde Sie fester in deren Abläufe einbinden? Drittens: Bauen Sie das selbst, oder gibt es bereits ein Startup, das genau das gut kann?

Die dritte Frage ist meistens die entscheidende. Eigenbau dauert, Zukauf oder Partnerschaft geht oft schneller. Wir helfen Ihnen, die passenden Kandidaten zu finden, sie sauber zu bewerten und den ersten Kontakt herzustellen.

Häufige Fragen

Was hat Conrad Electronic gekauft?

Conrad Electronic hat im November 2026 die Hivebuy GmbH aus Berlin übernommen. Hivebuy entwickelt Software für den indirekten Einkauf, von der Bedarfsanforderung über Freigaben und Bestellungen bis zur Rechnungsprüfung. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Was ist Hivebuy Start?

Hivebuy Start ist eine kostenfreie Einstiegsversion für Conrad-Kunden. Sie ist an das Conrad-Sortiment angebunden, braucht kein eigenes Warenwirtschaftssystem und keine aufwendige Implementierung. Bestellungen laufen durch definierte Freigaben, Rechnungen werden elektronisch verwaltet. Verfügbar ist sie ab dem vierten Quartal 2026.

Bleibt Hivebuy eigenständig?

Ja. Laut Conrad arbeitet Hivebuy innerhalb der Conrad Gruppe als eigenständiges Unternehmen weiter. Bestehende Kunden wie Securitas und igus werden weiterhin betreut.

Quellen: Industrieanzeiger: Hivebuy jetzt bei Conrad · Unternehmeredition: Conrad erwirbt Hivebuy · PresseBox: Pressemitteilung Conrad · Recht & Politik: GÖRG berät Conrad

Ihr schwierigstes Suchproblem ist unsere Lieblingsaufgabe.

Innerhalb von zwei Wochen erhalten Sie eine Shortlist der relevantesten Startups weltweit.

Search Assignment starten →